Pressespiegel


Signale von der Rohstoffseite: Preistendenz zeigt nach oben – Achterbahnfahrt ist ungebremst


Lebensmittel Zeitung 42 vom 16.10.2009


Frankfurt. Den Preissenkungswellen 2009 dürften schon bald wieder Korrekturen nach oben folgen. Davon gehen Händler und Hersteller aus, die bereits entsprechende Signale von den Rohstoffmärkten empfangen.

Stärker denn je wurde die Nahrungsmittelwirtschaft in den vergangenen drei Jahren von schwankenden Rohwarenpreisen getroffen. Neben Klimaveränderungen, steigenden Bevölkerungszahlen und Flächenkonkurrenz durch Biosprit sorgten Waren-Terminspekulationen für sprunghafte Veränderungen.

Nach der Hausse 2008 sind viele Preise wieder im Sinkflug. Doch schon jetzt zeichnet sich laut Einkaufsexperten ab: Hersteller und Händler müssen sich auf ein Anziehen diverser Rohstoffpreise einstellen. Die Schwankungen im Waren-Termingeschäft nehmen auf Sicht eher zu. Spekulanten werden weiter ein Auge auf die Commodity-Märkte werfen. GvP/lz42-09

„Längerfristig sehen wir wieder steigende Preise“


Interview mit Dagmar Bottenbruch, Geschäftsführung Rabobank International Frankfurt


Frau Bottenbruch, den Preiserhöhungen 2008 folgten im Handel Preissenkungen im Monatsrhythmus. Kommen die Rohwarenmärkte wieder zur Ruhe?

Ein wirkliches Zurruhekommen ist das ja nicht. Mit dieser wahnsinnigen Volatilität ist niemandem wirklich gedient. Für alle Beteiligten steigen die Risiken und machen die Planbarkeit extrem schwierig. Nach der Hausse 2008 haben die Landwirte weltweit Getreide favorisiert. Unterstützt von guter Witterung füllen sich die Getreideläger. Daher bewegen wir uns auf Interventionspreisniveau. Dafür gibt es momentan in der Welt Zuckerknappheit und der Weltzuckerpreis hat sich seit seinem Tief im ersten Quartal 2007 mehr als verdoppelt. Unsere Analysten sehen 2010 ein noch größeres Defizit.

Worauf sollten sich Industrie und Handel einstellen?

Im Unterschied zu vielen anderen Rohstoffen sind Agrarrohstoffe nachwachsend. Die Kapazitäten können angepasst werden. Es wird mit Sicherheit zyklisch und volatil bleiben. Wir sehen längerfristig wieder steigende Preise.


Ist die EU zum Wohle des Binnenmarktes noch ein stabilisierender Faktor?

Es ist sehr schwer zu differenzieren, denn die EU ist ja nicht das einzige System, das Subventionen an die Landwirtschaft gibt. Fast alle OECD Länder tun das. Ich denke, dass uns die Preisexplosion 2008 und daraus resultierende Probleme mit der Nahrungsmittelversorgung in vielen Entwicklungsländern gezeigt haben, dass man bei Nahrungsmitteln vielleicht nicht ganz auf Eingriffe verzichten kann.

Bleiben die Commodity-Märkte ein so aufgeheiztes Objekt für Spekulanten?

Auch die Spekulation läuft in Zyklen. Es wird ständig nach gewinnträchtigen Anlagen gesucht. Und wo investiert wird, entscheiden die Bewertung einer Anlage und die „Story“. Nachdem 2007/2008 Aktien, Renten und die anderen Rohstoffe wie Öl und Metalle explodiert waren, stürzten sich die Investoren auf die bis dahin weniger beachteten Agrarrohstoffe. Die „Story“ – wachsende Bevölkerung, erneuerbare Energien, Veränderung der Konsumgewohnheiten – tat ihr Übriges dazu. GvP/lz42-09


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