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Andy Duff, Zuckerexperte der Rabobank Brasilien, im Interview mit Dietrich Holler vom Ernährungsdienst


Ernährungsdienst 77 vom 13.10.2007, Seite 2
von Chefredakteur Dietrich Holler


"EU ist für Zuckerexporte attraktiver als der Weltmarkt"

Die deutsche Niederlassung der Rabobank veranstaltet am Montag während der Anuga 2007 eine Diskussion über den internationalen Zuckermarkt. Andy Duff, Analyst der Rabobank in Brasilien, wird auf dem Kölner Podium präsent sein.

Ernährungsdienst: Die Reform der EU-Zuckermarktordnung sollte die Preise senken - wann ist es so weit?

Duff: In der EU gilt noch der institutionelle Preis von 632 Euro pro Tonne. Der Referenzpreis sinkt durch die Reform stufenweise und soll ab September 2009 schließlich 36 Prozent unterhalb des Niveaus von vor der Reform liegen. Es ist schwer zu sagen, ob sich der Marktpreis entsprechend entwickelt, weil Angebot und Nachfrage nun mal schwanken. Allerdings hat die EU-Kommission ein System etabliert, um die Marktpreise zu beobachten und wird bei größeren positiven oder negativen Abweichungen vom Referenzpreis eingreifen.

Wer ist Jäger und wer ist Gejagter in der Zuckerindustrie?

Duff:Die europäische Zuckerindustrie konzentriert sich in den Händen weniger Unternehmen. Es geht künftig eher um Vertriebsnetzwerke als um Kooperationen in der Produktion. Eurosugar als gemeinsame Gruppe von Nordzucker, Cristal Union und ED&Man ist da ein gutes Beispiel. Die vollständige Marktöffnung der EU für Zucker aus den am wenigsten entwickelten Ländern, kurz LDC, dürfte weltweite Fusionen und Joint Ventures fördern. British Sugar hat diesen Weg mit der Akquisition von Illovo Sugar, einem wichtigen Produzenten in Südafrika, bereits beschritten.

Und wann investiert Südzucker in die brasilianische Produktion?

Duff: Das ist eine gute Frage, die aber besser Südzucker beantwortet.

Wie stark werden die LDC den Marktzugang in die EU nutzen?

Duff: Die meisten Investitionen in den LDC sind auf den momentan zollbegünstigten und demnächst zollfreien Marktzugang in die EU ausgerichtet. Der Warenstrom von Zucker aus den LDC in die EU wird von Jahr zu Jahr schwanken. Entscheidende Größen sind der Weltmarktpreis, der Preis innerhalb der EU, Frachtkosten sowie der Wechselkurs zwischen Dollar und Euro.

Wie verhalten sich die LDC während der kommenden beiden Jahre?

Duff: Die LDC haben 2007/08 eine Quote von 172000 Tonnen zollfreiem Zucker. Über die Quote hinaus sind sie derzeit berechtigt, zum halben regulären Zollsatz von 339 Euro pro Tonne zu liefern. Der Abschlag reduziert sich stufenweise bis zum zollfreien Marktzugang ab Juli 2009. Vieles deutet darauf hin, dass es auf Grund des vorgegebenen EU-Rohzuckerpreises für die LDC lukrativer ist, über die Quote hinaus in die EU zu liefern, anstatt die Ware auf dem Weltmarkt abzusetzen. Dabei ist eingerechnet, dass die Exporteure für Ware in die EU die Fracht und Versicherungskosten übernehmen, während sie für den Weltmarkt nur den Zucker im Verladehafen abliefern. Natürlich exportieren die LDC auch Überschusszucker in ihre Nachbarstaaten, wenn dort der Preis stimmt.

Die Fragen stellte Dietrich Holler

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