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Kochen ist mehr als Tiefkühlpizza, Pommes und Hamburger
FRANKFURTER NEUE PRESSE, 01-06-2007, Presseartikel über unser soziales Engagement in Frankfurt am Main
Die Vorstellung, wie Tim Mälzer als populärer Fernsehkoch auftreten zu können, findet David (14) durchaus spannend. Doch beim richtigen oder gar gesunden Umgang mit Gemüse hat der kochbegeisterte Junge durchaus noch Lernbedarf. Pommes, Tiefkühlpizza und Hamburger bestimmen allzu oft den Alltag von Jugendlichen, auch wenn sie solche Fertiggerichte durchaus selbständig zubereiten können. Unter dem Motto „Cook mal was du isst“ organisieren der Diätkoch Frank Roland und die Sozialpädagogen der Cyriakusgemeinde derzeit einen gesundheitsbewussten Kochkurs für junge Leute.
Mit Hähnchen, Nudelsalat und spinatgefüllten Schlemmertaschen ging jetzt die erste Staffel zu Ende. Die Idee war durch ein Weihnachtsgeschenk der Rabobank International entstanden, die die Gemeinde und die Initiative Raum seit nunmehr drei Jahren unterstützt. Eine Bank, die sich ganz auf den Agrar- und Nahrungsmittelsektor spezialisiert hat. „Ein Jahr kostenloses Kochen unter Anleitung schien uns geeignet, um unseren Jugendlichen gesundes und kalorienbewusstes Essen zu vermitteln“, sagt Sozialpädagogin Ute Gröbner. Nun plant sie mit ihrer Gruppe eine zweite sowie eine dritte Staffel, zu der weitere Teilnehmer hinzukommen können.
Beim Abschlussessen schwärmten die Jugendlichen von ihrem Besuch in der Küche des Radisson- Hotels: Einmal den Profis über die Schulter zu schauen, war für viele schon ein Höhepunkt. Derweil beäugte David einmal mehr den Salat aus Vollkornnudeln, als ob die Zubereitung mit Paprika, Zwiebeln und Olivenöl zu gesund aussehe. Über die Frage, wer Gemüse putzt und schneidet oder den Tisch deckt und abspült, entbrannte so manche engagierte Diskussion. „Dabei haben sie erst im Radisson Hotel gelernt, dass Kochen Teamarbeit ist. Denn dort hat jeder seine zugeteilten Aufgaben, um für große Mengen zu kochen“, sagt Ute Gröbner.
Besonders stolz war Chantell (15), die mit Frank Roland die Hähnchen im Ofen zubereitete und beim Würzen ihrem eigenen Geschmack freien Lauf lassen durfte. Nur bei der Menge des Öls schaute der studierte Ökotrophologe etwas genauer hin. „Viele unserer Rezepte entstehen aus dem Stand wie beim Kochduell. Doch als Anleitung für zu Hause bekommen die Jugendlichen eine CD mit auf den Weg“, sagt Roland.
Was aber haben die zehn Jugendlichen zwischen 12 uns 17 Jahren inzwischen gelernt? „Spaghetti hab ich auch vorher schon zu Hause gekocht. Wie man frische Zutaten richtig schneidet und dazugibt, kann ich jetzt auch meiner Mutter erklären“, sagt Emel (15). Da viele Teilnehmer aus der Türkei oder Afrika kamen, wurde Schweinefleisch ganz vermieden. Döner, mariniertes Lamm und türkische Pizza standen auf dem Plan, aber auch mal eine Gemüsepasta. „Wichtige Informationnen über die Zusammensetzung und den Nährwert von Lebensmitteln kann man dabei spielerisch vermitteln“, sagt Roland. Es könne aber keineswegs darum gehen, die Kinder nur auf Bioprodukte und Gesundheitsmenüs einzustimmen. „Es ist schon ein Erfolg, wenn die Jugendlichen begreifen, dass Fleisch aus natürlicher Haltung ergiebiger ist als solches aus der Massenhaltung“.
Ein paar angehende Kochtalente seien schon dabei gewesen. Zum Jahresende können sie ihre Kunst unter Beweis stellen, wenn die Gemeinde und die Rabobank als Abschluss einen Kochwettbewerb planen. David jedenfalls weiß nun, was ihm am Salat aus Vollkornnudeln noch fehlt: „Da gehört Mayonnaise dran.“ (got)
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