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Zuckermarkt der Zukunft


Einen Überblick über die globale Zuckerwirtschaft und Prognosen  für zukünftige Marktentwicklungen gab Jan Heinecke von der niederländischen Rabobank – stellvertretend für seinen englischen Kollegen Andy Duff.


"In den vergangenen 10 Jahren stieg die weltweite Zuckererzeugung von 128 Mio. Tonnen auf 159 Mio. Tonnen Zucker", so Heinecke. Davon stammt der größte Teil aus Brasilien, Indien und einigen anderen asiatischen Ländern, inklusive China. Brasilien ist weltweit führender Zuckerproduzent und -exporteur. Indien gilt als ebenso bedeutend, hat aber mit einer stark schwankenden Ausfuhr zu kämpfen. "Ursache sind strenge politische Bestimmungen für die Zuckerproduktion sowie schwierige Witterungsbedingungen, Krankheits- und Schädlingsbefall", erläuterte Heinecke.

Bei den genannten Ländern handelt es sich ausschließlich um Zuckerrohrproduzenten. Der Anteil von Zucker aus Zuckerrohr am Gesamtzucker ist seit 1997 von ca. 70 auf 78 % gestiegen, der Anteil von Zucker aus Zuckerrüben entsprechend gefallen. "Den wichtigsten Anteil an diesem Rückgang trägt seit Beginn der Zuckermarktreform die EU", meinte Heinecke, "hier ist die Produktion in der zurückliegenden Kampagne um ca. 4 Mio. Tonnen geringer ausgefallen." Demgegenüber steht jedoch ein Anstieg der Zuckerrübenproduktion in Russland. Moderate Zuwächse sind auch in Afrika (Ägypten und Marokko) und in den USA zu verzeichnen.

"Die globale Zuckernachfrage bleibt stabil. Zucker wird aber Marktanteile gegenüber alternativen Süßstoffen verlieren." Trotzdem lässt das Wachstum des gesamten Marktes genug Raum für einen wachsenden Absatz von Zucker: "Einen maßgeblichen Beitrag zur erhöhten Nachfrage nach Zucker liefern die Entwicklungsländer, in denen der gegenwärtige Pro-Kopf-Verbrauch weit unter dem Konsum industrieller Länder liegt." Konsumtreibende Region ist Asien. Die wachsende Population, ein Anstieg der Realeinkommen und die voranschreitende Urbanisierung sind Gründe dafür. "Die Zuckererzeuger werden vor der Herausforderung stehen, die erhöhte Nachfrage mit zunehmender Konkurrenz zu anderen Kulturen zu decken – vor allem um die knapper werdenden Faktoren wie Land und Wasser."

Der hier prognostizierte Produktionszuwachs muss gegen den Produktionsrückgang anderer Regionen aufgewogen werden: So hat in der EU die Reform der Zuckermarktordnung erhebliche Auswirkungen auf die Wirtschaftlichkeit der Zuckerproduktion – sowohl bei Anbauern als auch auf Fabrikebene. Die Kommission will die EU Zuckerproduktion auf 13 bis 14 Mio. Tonnen beschränken. "Sollte dies nicht im Rahmen der Reform möglich sein, wird die Kommission allen Rübenanbauern Quotenkürzungen abverlangen, um den Markt auszubalancieren", sagte Heinecke. "Das wäre wirtschaftlich unvernünftig. Denn die effizienten Anbauer würden gezwungen Quotenkürzungen hinzunehmen, die durch Verbleib der weniger effizienten Anbauer auf  dem Markt verursacht werden."

Die jüngsten Entwicklungen in der EU im Zuckerrübensektor haben jedoch nicht nur schlechte Seiten: Durch den Aufschwung der Bioenergie könnten die negativen Auswirkungen der Zuckermarktreform zumindest teilweise von der wachsenden Nachfrage nach Rüben für die Ethanolproduktion aufgewogen werden.

Jan Heinecke ist Geschäftsführer der Rabo Trading Germany GmbH & Co.KG, einer 100%-igen Tochter der Rabobank International Frankfurt Branch.


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